Der Knabe im Moor 2.0

Nach Annette von Droste-Hülshoff 

von Klaus Gülker

Echt? „Schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche?
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche“?

Ein Bub, ganz flott auf dem Schulweg durchs Moor,

lässt sich von so was nicht stören.

Er hat via Bluetooth Musik auf dem Ohr,

Da ist halt nichts andres zu hören.

Vom Ufer starrt zwar Gestumpf hervor,
und unheimlich nicken die Föhren.
Der Knabe aber hat Rap nur im Ohr, 

da kann ihn kein Moosmännle stören.

Vergebens lockt ihn, er merkt es ja nicht,

das Moos-Annele unter den Brücken,

was nicht gegen Anneles Reize spricht:

Sonst konnt‘ sie noch jeden berücken.

Adnobe, die Göttin, ist nicht amüsiert.

Es grummeln die Geister im Moose.

Der Bube indessen kickt ungeniert

ins Moor eine leere Bierdose.

Fast birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle.
Weh, ruft die Elfe, die nebendran steht:

Macht Schluss jetzt mit diesem Krakeele!

Drum schalten die Geister, es wird doch zu bunt,

dem Knaben die Ohrstöpsel aus.

Jetzt hört er sie, hört, was sie raunen, und 

Ihn packt voller Zittern der Graus.

 

Schon springt er fast wie ein Irrwisch durchs Moor,

hier kann ihn jetzt gar nichts mehr halten.

Er rennt auf das Dorf zu, und ihm kommt es vor,

als folgten ihm Geistergestalten.

Nur mählich gründet der Boden sich.
Dort drüben, hinter den Gleisen.
Ist es da nicht mehr so fürchterlich?
Das wird sich als richtig erweisen.

Nicht weit mehr zur Schule. Zum Moor zurück
wirft aber er noch einmal scheu den Blick…

Ach lass‘ dich davon nicht verdrießen.

Die Geister des Moores: Sie grüßen!

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